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Förderverein – Hardenberg-Gymnasium Fürth

Der Stammtisch "Althardenberg" auf Bildungsreise im Juli 2009 nach Alt-Hardenberg

Protokoll der AHGF-Exkursion nach Alt-Hardenberg von Freitag, 17. bis Sonntag, 19. Juli 2009

 

Mitreisende

nebst Reiseleiter Toni Reith die Alt-Hardenbergler Friedrich Drechsler, Norbert Fuchs und Ehrhard Peiberg. Das Fehlen von Gotthard Babel, begründet in ärztlichen Konsultationspflichten, wurde allseits bedauert.

Die Reise

Pünktlich, wie es sich für (ehemalige) Lehrer gehört, begann die Reise nach Einbeck, dem Zielort, Ausgangsort der Erkundungen und Oase der nächtlichen Erholung. Damit begann auch eine Reise in die mittelalterliche Vergangenheit, in Orte des Fachwerkbaus und der romanischen Baukunst.

Freitag, 17. Juli 2009

AegidienkircheAegidienkirche

Der erste Tag war geprägt von Einblicken in die Landschaft und von kirchlicher Baukunst. Dem gesundheitlichen Zustand mancher Exkursionsteilnehmer entsprechend war unser erster Besichtigungspunkt das Grabmal des Doktor Eisenbart an der Aegidiuskirche in Hannoversch-Münden, der ausgezeichneten Fachwerkstadt. Nach dem Mittagsmahl (die Protestanten aßen dem Freitag entsprechend Fisch, während sich der bekennende Katholik „auf der Reise“ erklärte und zu einem riesigen Gulaschtopf griff) begann der erste Test der Gehfähigkeit der Gruppe mit dem Weg zum Weserstein, dessen Inschrift hier noch einmal ins Gedächtnis gerufen sein soll:

Wo Werra sich und Fulda küssen

Sie ihre Namen büssen müssen

Und hier ensteht durch diesen Kuss

Deutsch bis zum Meer der Weser Fluss

Hann Münd. d. 31.Juli

1899

WesersteinWeserstein

Kloster BursfeldeKloster Bursfelde Adäquat zu den jahrzehntelangen Zielen des Reiseleiters führte er uns anschließend zu uns völlig unbekannten Klöstern, die sich als Kleinode der romanischen Baukunst erwiesen. Die erste Station war das Kloster Bursfelde, das abgeschieden und malerisch zwischen der Weser und den Ausläufern des Bramwaldes liegt.
Kloster LippoldsbergKloster Lippoldsberg Die zweite Station war das Kloster Lippoldsberg, das nicht nur architektonische Überraschungen bot, denn auch an Stätten mittelalterlicher Vergangenheit holte uns die neueste deutsche Geschichte ein. In einem Haus der Klosteranlage wohnte bis zu seinem Tod der Schriftsteller Hans Grimm, einer der geistigen Wegbereiter des deutschen Faschismus, Verfasser des berühmten Romans „Volk ohne Raum“. Seine Tochter Holle Grimm unterhielt bis zu ihrem Tod dort den gleichnamigen Verlag; ihre Mitarbeiterinnen führen bis heute im Klosterbuchladen diese Arbeit weiter mit einem umfangreichen Schrifttum rechtsradikalen Inhalts – unglaublich!
KarlshafenKarlshafen
Ehrhard Peiberg wurde seiner Profession und Leidenschaft entsprechend mit einem Bändchen „Geheimnisse der Zahlen“ beglückt, was im Laufe der Exkursion für die anderen Teilnehmer immer wieder zu überraschenden Einblicken in die Zahlenwelt führte. Die Machwerke von Hans Grimm über Südafrika wollte er allerdings, obwohl seine diesjährige große Reise (er macht auch mehrere kleine) dorthin führt, aus Überzeugungsgründen nicht einmal geschenkt bekommen.
Auf dem Weg zum nächsten Kloster wurde ein Abstecher gemacht in die Hugenottenstadt Karlshafen, was uns Erlangern natürlich besonders freute.
Kloster CorveyKloster Corvey Das dritte Kloster war das Kloster Corvey mit seiner barocken Schlossanlage und mit dem berühmten karolingischen Westwerk der Abteikirche. Zudem befindet sich dort mit der fürstlichen Bibliothek die größte deutsche private Buchsammlung von rund 70.000 Bänden. Diese Bibliothek ist von Hoffmann von Fallersleben, dem Dichter unserer Nationalhymne, wesentlich aufgebaut worden, der deshalb auch neben der Abteikirche sein würdevolles Grab fand.
Auch auf der Fahrt zu unserem Zielort blieben wir im Mittelalter durch den Ort Dassel, den Herkunftsort der Grafen von Dassel, wie zum Beispiel des Kanzlers und Reichsideologen Rainald von Dassel.

Samstag, 18. Juli 2009

Bahnhof KreiensenBahnhof Kreiensen Der zweite Tag brachte dann den eigentlichen Anlass der Reise, die Exkursion nach (Alt-) Hardenberg. Aber selbstverständlich ließen wir auf dem Hinweg nicht andere bemerkenswerte Stätten aus, wie den im imperialen Stil erbauten Kaiserbahnhof von Kreiensen, wo wir leider nicht Otto von Bismarck, sondern uns nur selbst antrafen.
Endlich gelangten wir nach Hardenberg mit der Burgruine und den weitlufigen Schlossanlagen, die wir selbstverständlich alle in Augenschein nahmen. Dabei kam uns zugute, dass im Burggewölbe eine standesamtliche Trauung stattfand, so dass die Burg HardenbergBurg HardenbergSchranke wie der Weg hinauf zur Burg trägt.unserem Auto offenstand. Nach der Umrundung mit den eindrucksvollen Felsformationen ging es durch das Tor trotz des Warnschildes „Lebensgefahr“. Schweißperlen auf der Stirn des einen, Kurzatmigkeit beim andern ließen erkennen, dass die Besichtigung einer Burgruine durchaus Arbeit sein kann. Nicht so der Reiseleiter: Obwohl er allein den lebensgefährlichen Turm bestiegen hatte, kehrte er nochmals um, und bestieg denselben ein zweites Mal, um den dort vergessenen Lageplan von Alt-Hardenberg wieder in seinen Besitz zu bringen. Größere Schwierigkeiten bereitete die Einstellung des Selbstauslösers, um ein fotographisches Dokument der Anwesenheit aller Reiseteilnehmer zu erhalten. Leider war eine Audienz beim Fürsten nicht möglich, da er sich, unbestätigten Gerüchten zufolge, auf einer Archivreise befand, um endlich herauszufinden, warum ein fränkisches Gymnasium den Namen seines Hauses

Selbstverständlich durfte der Einkauf im „KeilerLaden“ nicht fehlen, um die gebrannten Produkte zu kosten und dieselbigen auch einzukaufen. Dies brachte die Teilnehmer auf die Idee, bei einem der nächsten Treffen sich mit dem Thema „Hardenberg und der Alkoholismus“ zu beschäftigen, wenn nicht sogar ein P-Seminar zu diesem Thema am HGF anzuregen oder sogar selbst durchzuführen.
KeilerladenKeilerladen
.GandersheimGandersheim Der Nachmittag gehörte Gandersheim. Im Schatten des „Domes“, bei einem süffigen Bier, referierte Friedrich Drechsler über den leider uns anderen unbekannten, aber historisch wichtigen „Gandersheimer Streit“. Anschließend erwiesen wir Hrotsvit von Gandersheim, geb. um 935, gest. nach 973, der ersten deutschen Dichterin, unsere Referenz. Dann ging es in die Stiftskirche. Diese ist derzeit Teil einer Ausstellung Portal zur Geschichte“, von ottonischen Schätzen zu barocker Pracht: Das Gandersheimer Frauenstift mit Filmen, Hörstationen und interaktiven Animationen. Der freundliche Betreuer der Ausstellung machte uns Lust auf Mehr.
Roswitha von GandersheimRoswitha von Gandersheim 40 Pf.-Briefmarke40 Pf.-Briefmarke
Kloster BrunshausenKloster Brunshausen Um 14.50 Uhr geschah dann das Einmalige, das Unglaubliche, das allen, die es mitbekamen, den Mund offen stehen ließ: Toni erklärte, „Das kenn’ ich noch nicht.“ Es handelte sich um den zweiten Ausstellungsort, nämlich um das Kloster Brunshausen (es heißt wirklich so). Dort befindet sich der zweite Teil unter dem Motto „Starke Frauen“, was alle männlichen Teilnehmer hoffnungsvoll werden ließ und wobei sie auch nicht enttäuscht wurden. So erfuhren wir über Kaiserin Theophanus sündige Luxuskleidung, und Roswitha berichtete von Nachstellungen, denen fromme Jungfrauen ausgesetzt waren. Auch hier holte uns die neuere Geschichte ein, denn in ehemaligen Klostergebäuden befand sich während des Zweiten Weltkriegs ein Außenlager des KZ Buchenwald.
Natürlich musste zum Abschluss eine weitere romanische Kirche hinzukommen, nämlich die in Clus, bevor der eindrucksreiche Tag beschlossen wurde mit einem Rundgang bei Regen (zum einzigen Mal auf der Reise!) durch die Fachwerkstadt Einbeck. EinbeckEinbeck

Sonntag, 19. Juli 2009

Am dritten Tage war der erste Halt auf der Rückfahrt in Duderstadt auf dem Marktplatz vor dem sogenannten „Eichsfelder Dom“, und wieder eine beeindruckende Fachwerkstadt. DuderstadtDuderstadt
Thomas MuentzerThomas Muentzer Endlich wurde auf der Rückfahrt durch Thüringen auch noch den sozialrevolutionären Adern der Teilnehmer entsprochen. Man machte Halt in Mühlhausen, dem Ort von Thomas Müntzer. Die drei großen Kirchen sind seit den 70er-Jahren in Gedenkstätten der ersten deutschen Revolution umgestaltet worden, was ihrem baulichen Erhalt förderlich war. In der Marienkirche gibt es Müntzer-Memorial zu Leben und Wirken des Reformators und Führers im Bauernkrieg, da er in dieser Kirche auch gepredigt hat.
Voller neuer Eindrücke, die es erst zu verarbeiten gilt, landeten wir am späten Nachmittag wieder in Erlangen. Der Ehrenvorsitzende des Stammtisches äußerte sich sehr zufrieden zum Verhalten der Teilnehmer, da seine einzige Aufgabe darin bestand, dafür zu sorgen, dass jeder auch an die regelmäßige Einnahme seiner Medikamente dachte. Dank gilt in auerordentlichem Maße unserem Reiseleiter und Fahrer, mit dessen Führung jede Reise zu einem einmaligen Erlebnis wird. Wir können allen nur empfehlen, wo möglich auch in einem anderen Rahmen, die Exkursion nach Alt-Hardenberg zu wiederholen. Von den Stammtischbrüdern wurden bereits weitere Reisen ins Auge gefasst, wie ein Besuch in Neuhardenberg oder eine Exkursion „Auf Hardenbergs Spuren in Franken“.

Protokollant: N. Fuchs

 

 

Anmerkung 1:
Das Kloster Bursfelde ist eine ehemalige Benediktinerabtei, die im Jahre 1093 gegründet wurde. Im 15. Jahrhundert war sie Zentrum der klösterlichen Reformbewegung (Bursfelder Kongregation), die weit über 100 Klöster im mitteleuropäischen Bereich unter sich vereinigte. Seit der Reformation und endgültig seit dem Westfälischen Frieden ist Bursfelde evangelisch. Seit 1828 wird der Titel „Abt von Bursfelde“ einem Professor der Evangelisch Theologischen Fakultät der Universität Göttingen verliehen. Ihm steht ein Konvent zur Seite, dem zur Zeit zwölf Professoren der verschiedenen Fakultäten angehören, um so die enge Verbindung zwischen Bursfeld und der Universität zum Ausdruck zu bringen. Erhalten sind die romanische Basilika und das ehemalige Gutshaus von 1722, in dem sich ein lebendiges Tagungszentrum befindet. zurück

 

Anmerkung 2:
Lippoldsberg gilt als eine der ältesten total eingewölbten Kirchenbauten in Deutschland, die bis auf den eventuell im 30jährigen Krieg verlorengegangenen Nordturm und den 1722 veränderten Südturm im ursprünglichen Zustand erhalten blieb, was für Bauten der Romanik höchst selten ist. Die einheitliche, rasche Bauaufführung ist erkennbar an der durchgängigen Formensprache, besonders der Profilierung der Kämpfer, die sich sowohl im Westen als auch im Osten der Kirche finden, es kann also eine kurze Bauzeit angenommen werden. Durch die Wiederholung des Gewölbeschemas mit Gurtbögen, die auf Viertelkreiskonsolen abgekragt sind, und der Pfeilergliederung mit Ecksäulen ist das "Lippoldsberger Schema" in zahlreichen Kirchen des Weserraums bis nach Sachsen zum Ausgangspunkt geworden. Die Klosterkirche nimmt somit eine Schlüsselstellung in diesem Gebiet. Die Einzigartigkeit der Lippoldsberger Kirche wird ausgemacht durch die Reinheit des romanischen Stils, die Ausgewogenheit der Proportionen und die bautechnische Vollkommenheit. Der Bau verhilft dem Besucher durch das hohe Niveau der Architektur und seine konzeptionelle Geschlossenheit zu einem gutem Bild von Aussehen und Gliederung der großartigen Architekturdenkmäler der Romanik. zurück

 

Anmerkung 3:
Seit 1920 arbeitete Grimm an seinem bekanntesten Werk Volk ohne Raum,← das 1926 im Albert Langen Verlag erschien und in zwei Bänden veröffentlicht wurde. Es handelt von den politischen und wirtschaftlichen Problemen der Deutschen und zeigt, wie diese zu bewältigen seien, nämlich durch die Ausweitung des deutschen Lebensraums. Der Roman zählt zu den am häufigsten verkauften Büchern in der Weimarer Republik und wurde von den Nationalsozialisten zur Pflichtlektüre in den deutschen Schulen diktiert. Damit zählt er als "Klassiker" der "Blut- und Bodenliteratur". 1951 gründete Grimm seinen eigenen Verlag, den Klosterhausverlag in Lippoldsberg. Grimm ließ sich als parteiloser Kandidat der neonazistischen Deutschen Reichspartei bei den Bundestagswahlen im Jahr 1953 aufstellen. Im darauf folgenden Jahr konnte man erneut seine Sympathien für den Nationalsozialismus erkennen. Er veröffentlichte im eigenen Klosterhausverlag eine über 600-seitige Schrift, um Hitlers Politik vehement zu verteidigen. zurück

 

Anmerkung 4:
Kaiser Friedrich der Fromme, der Sohn Karls des Großen, gründete 815 die von Corbie in Frankreich abhängige Propstei Hethis, aus der später Corvry hervorging. Wegen der ungünstigen Lage baten die Benediktinermönche aus dem westfränkischen Kloster Corbie an der Somme den Kaiser um Land an geeigneterer Stelle. Mit dem Bau der 844 geweihten Klosterkirche wurde um 830 begonnen: eine schmale dreischiffige Basilika mit Querschiff und Umgangsapsis. Ludwig der Fromme stiftete auch die Reliquien der Hauptpatrozinien Stephanus und Vitus. Die Missionierung des Nordens ist untrennbar mit Corvey verbunden. Der Hl Ansgar gelangte als Corveyer Mönch bis nach Skandinavien. Ein bedeutender Abt des Mittelalters war Wibald von Stablo (1146-1158). Ende des 18. Jahrhunderts vermochte der Abt Corvey zum Fürstbistum zu erheben, das nach wechselvollen Stationen an Viktor von Hohenlohe-Schillingsfürst gelangte, der 1840 den Titel eines „Herzogs von Ratibor und Fürsten von Corvey“ annahm. Dieses fürstliche Haus ist bis heute Eigentümer von Schloss Corvey. zurück

 

Anmerkung 5:
Rainald von Dassel (* zwischen 1114 und 1120; † 14. August 1167 in Rom) war von 1159 bis 1167 Erzbischof von Köln und Erzkanzler von Italien. Auf den Druck der anderen Bischöfe ließ sich Rainald am 29. Mai 1165 in Würzburg zum Priester und am 2. Oktober 1165 in Köln zum Bischof weihen. Im selben Jahr setzte sich Rainald für die Heiligsprechung Karls des Großen ein, die von Gegenpapst Paschalis III., aber nicht von Papst Alexander III. anerkannt wurde. Nach der Eroberung Mailands brachte er im Jahr 1164 als Kriegsbeute die Gebeine der Heiligen Drei Könige, die ihm Barbarossa aus Dank überlassen hatte, nach Köln.  Rainald starb bei einem Feldzug in Italien, kurz nachdem er bei Tusculum die Römer geschlagen und Rom erobert hatte, an einer Seuche, wahrscheinlich an Malaria (Sumpffieber) oder an Ruhr. Seine sterblichen Überreste wurden nach Köln verbracht, wo er nach der Prozedur „mortis teutonicae“ in der Marienkapelle des Kölner Doms vor dem dreiteiligen Flügelalter der Kölner Stadtpatrone seine letzte Ruhestätte fand. zurück
Anmerkung 6:
Die Burg wurde durch das Erzbistum Mainz gegründet, um zwei Handelswege zu überwachen, erstmals beurkundet 1101. Die Herren von Hardenberg traten 1375 als Besitzer der Burg auf. Sie nannten sich zuvor noch „de novalis“. Auf Grund eines Erbvertrages teilte sich die Familie auf und es entstand die Doppelburg. 1698 stürzte bei einem großen Gewitter das Vorderhaus zusammen. Deswegen siedelte diese Linie zunächst nach Göttingen um und 1710in das neu errichtete Schloss Hardenberg am Fuße des Berges. zurück

 

Anmerkung 7:
Der Gandersheimer Streit ist ein typisches Beispiel für die im ottonischen Reichskirchensystem entstandene Verquickung von weltlicher und kirchlicher Macht. Das Kanonissenstift in Gandersheim war neben dem in Quedlinburg das zu dieser Zeit bedeutendste Frauenkloster. In beiden brachten die Kaiser die unverheirateten Frauen und die Witwen der Herrscherfamilie unter und versorgten sie so. Das Stift in Gandersheim war deshalb sehr reich und infolgedessen sehr interessant für den zuständigen Bischof.Bei der Einkleidung Sophies im Jahr 987, der Schwester Ottos III. als Kanonisse des Gandersheimer Stifts, welches zur Diözese Hildensheim gehörte, entstand der Streit, weil Sophie die Weihen nicht vom zuständigen Bischof von Hildesheim, sondern von dem Erzbischof Willigis von Mainz empfangen wollte. Willigis, der Bauherr des Mainzer Doms (1000-Jahr-Feier in diesem Jahr) war als ehemaliger Vormund Ottos und derzeitiger Reichsverweser eine zentrale Machtfigur im Reich. Nur mühsam einigte man sich darauf, dass die beiden Kontrahenten gemeinsam die Feier zelebrierten. zurück

 

Der Streit eskalierte etwa zehn Jahre später, als die Einweihung des neu erbauten Gandersheimer Doms anstand. Wieder wünsche Sophie, der ihre Feinde ein Verhältnis mit Willigis nachsagten die Weihe durch den Erzbischof von Mainz, wohingegen sich Bernward, der Bischof von Hildesheim, diesmal sogar unterstützt von Otto III. und dem Papst, sich zur Wehr setzte. Es folgte eine große Zahl von Synoden in Rom und in Deutschland, wobei sich die deutschen Kirchenfürsten für den Mainzer Erzbischof aussprachen, während die italienischen Bischöfe und der Papst den Hildesheimer unterstützten. Ergebnis war erneut ein Kompromiss: Gemeinsam weihten – einige Jahre später – Willigis und Bernward den Dom. Entschieden wurde der Streit erst 200 Jahre später, als Papst Innozenz III. 1206 Gandersheim zum freien Reichsstift erhob und damit unabhängig von der Diözesanordnung. Übrigens: Beide Hauptkontrahenten, Bernhard und Willigis, wurden schon im Mittelalter heilig gesprochen, allerdings wegen anderer Verdienste.

 

Anmerkung 8:
Die Stiftskirche wird auch Dom genannt. Das Stift Gandersheim wurde 852 vom Sachsenherzog Liudolf gegründet und erlebte seine Blütezeit unter den Ottonen. So wurde das Markt-, Münz- und Zollrecht der Stadt 990 von der Kaiserin Theophanu im Namen ihres unmündigen Sohnes Otto III. verliehen. Erst 1329 konnten sich die Bürger der Stadt aus ihrer Abhängigkeit vom Stift loskaufen. Das Kanonissenkloster bestand nach der Reformation als evangelisches Damenstift fort und wurde erst 1810 nach dem Tod der letzten Äbtissin aufgelöst. zurück


Anmerkung 9:

Der Reiseleiter legt ausdrücklich Wert darauf, dass er als einzig Glücklicher keine Medikamente nehmen muss. zurück

 

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Zuletzt aktualisiert am Samstag, den 28. Januar 2012 um 15:16 Uhr