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Drama, Baby!
Gefährlich blickende Typen, Gangster mit tief ins Gesicht gezogenen Kapuzen: Zwei Straßengangs funkeln sich an. Die Luft brennt. Ein Schrei – die Lage eskaliert. Kaum einen Meter weiter rechts gerät eine Horde kreischender Mädchen außer Rand und Band, als sich ihre Idole, fünf lässige Boygroup-Sänger, gekonnt für sie in Pose schwingen. Direkt daneben liegt sich ein Ehepaar keifend in den Haaren. Die Kinder sitzen gelangweilt vor der Glotze, während ein paar Schritte neben ihnen Gwinnie Winston, ein selbstverliebter Filmstar, gemeinsam mit Amerikas arrogantem Präsidentenpaar Rockford heiße Luft ins Mikrofon eines Journalisten labert. Mittendrin, im Zentrum des scheinbaren Durcheinanders, schlüpft plötzlich ein aufgeregter Mann zwischen den Menschen hindurch. Niemand scheint ihn zu hören, als er verzweifelt gegen den Lärm anschreit: „In sieben Tagen ist der Weltuntergang!“
So und so ähnlich sah es in diesem Schuljahr immer freitags ab 11.15 Uhr in der Mensa des Hardenberg-Gymnasiums aus. Die Rede ist vom Theaterkurs „Dramatisches Gestalten“, der unter der Leitung von Frau Birgit Grasser das Stück "Der Weltuntergang – Die Welt steht auf kein’ Fall mehr lang..." von Jura Soyfer erarbeitete, ergänzte und neu interpretierte. Im Laufe des Jahres lernten die gut 30 Schülerinnen und Schüler des Kurses durch kreatives Ausprobieren alles rund ums Schauspielern: Gefühlsausdruck durch Körpersprache, Mimik und Stimme, souveränes Nicht-Lachen auf der Bühne, Spiel mit Raum und Zeit, Erschaffen von Standbildern, Teamgeist... kurz: sie lernten, ein ganzes Stück auf die Beine zu stellen.
Der Autor des Theaterstücks, Jura Soyfer, zählt zu den bedeutendsten politischen Schriftstellern Österreichs in den 1930er Jahren. Als Sohn eines jüdischen Industriellen starb er mit nur 27 Jahren im KZ Buchenwald. In seinem 1936 uraufgeführten Stück geht es um den Weltuntergang. „Die Erde ist krank“, berichtet zu Beginn der Mond in der Versammlung der Planeten: „Sie hat Menschen.“ Der Komet Konrad soll sich deshalb auf sie stürzen und so den blauen Planeten von seinem „Ungeziefer“ befreien. Es dauert nicht lange, da erfahren auch die Erdbewohner von ihrem unangenehmen Schicksal, doch keiner von ihnen begreift den Ernst der Lage. Keiner – außer ein paar wenigen Wissenschaftlern. Während der Rest der Menschheit naiv und tatenlos der großen Katastrophe entgegenlebt und die Diplomaten sich „in puncto Weltuntergang bis zehn Tage nach dem Weltuntergang vertagen“, sind sie es, die als Einzige versuchen, das Ende der Welt zu verhindern. Doch das ist leichter gesagt als getan und der Tag des GAU kommt unaufhaltsam näher...
Genauso wie der große Tag der Premiere am Hardenberg-Gymnasium. Am 16.07.2010 und am 19.07.2010 wird unser Stück "Der Weltuntergang"– frei nach Jura Soyfer jeweils um 19.30 Uhr in der Halle C zu sehen sein.
Anna Matthey
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