|
|
Förderverein– Hardenberg-Gymnasium FürthIdeen und Wünsche – Der Lehrerwunsch des Monats Juli 2010Das Interview
Der Lehrerwunsch des Monats – das Interview mit Studiendirektorin Jutta Lauterbach
Hallo Frau Lauterbach, schön, dass Sie sich so kurz vor den Ferien noch Zeit für unsere Fragen nehmen! Mit dem Artikel Die gute Schule hat die 'Zeit' vor kurzem eine Checkliste veröffentlicht, die Eltern helfen soll, eine gute Schule für ihr Kind auszuwählen. Nach vielen Jahren Berufserfahrung haben Sie sicher eine ganz eigene Vorstellung davon, was eine gute Schule ausmacht?
* Kinder und Jugendliche wollen Neues erfahren, sie wollen etwas lernen, wie der Gehirnforscher Professor Manfred Spitzer darlegt, und sie fühlen sich nicht wohl, wenn im Unterricht nicht genügend Stoff geboten würde oder wenn der Stoff nicht altersgemäß vermittelt oder methodisch zu wenig abwechslungsreich gestaltet würde. Es ist ein Irrtum zu glauben, dass Kinder und Jugendliche am liebsten nichts tun würde. Das können sie auf die Dauer gar nicht. In einem solchen Fall fühlen sie sich eben nicht wohl. * Kinder und Jugendliche wollen Lehrer, die ihnen zugetan sind, die an sie glauben und ihre Stärken anerkennen, und nur wenn die Haltung der Lehrer und Lehrerinnen so ist, fühlen sie sich wohl. Wenn Lehrer nach den Schwächen der Schüler suchen scheinen, wenn sie den Anschein erwecken, der Schüler oder die Schülerin sei abzulehnen, dann fühlen sich Kinder und Jugendliche angegriffen, sie können ihre Stärken nicht ausspielen und ihre Schwächen nicht meistern. Und dann fühlen sie sich eben nicht wohl. * Kinder und Jugendliche brauchen Gleichaltrige, mit denen sie sich austauschen und bei denen sie anerkannt sind. Nur wenn in einer Schule Klassen so überlegt geführt und so genau beobachtet werden, dass Konflikte nicht monatelang schwelen, sondern besprochen und gelöst werden, so dass es keine seelischen Belastungen oder gar körperliche Übergriffe durch Mitschüler gibt, fühlen sich die Betroffenen wohl. Sie sehen, eigentlich schließt die genannte Definition zentrale Merkmale effektiven Unterrichts mit ein. Was davon haben Sie am Hardenberg gefunden und was gilt es immer wieder neu zu suchen? Es gibt an unserer Schule viele Lehrer, die ihre Schüler und Schülerinnen wirklich mögen, sie zu verstehen suchen und die von diesen wiederum stürmisch geliebt werden. So etwas kann man bei uns durchaus finden. Was mich selbst anbetrifft, bemühe ich mich bewusst um Offenheit und Geduld und ich versuche, die mir anvertrauten Kinder und Jugendlichen nicht an einem – wie auch immer gearteten – Idealbild zu messen, sondern sie so zu nehmen und zu erfassen, wie sie sind. Und jeder Mensch hat wunderbare Stärken, die es zu nutzen gilt mit Sachverstand und Sensibilität und vor allem mit Achtung vor der Individualität jedes Einzelnen. Das heißt nicht, dass jeder tun und lassen kann, was er will, aber das heißt, dass ich jeden Schüler so anzusprechen versuche, dass er sich nicht verletzt fühlt. Dann ist er nämlich außerdem viel eher bereit, auf meine Forderungen, zum Beispiel hinsichtlich der Disziplin oder des Fleißes, einzugehen. In dem Zeit-Artikel heißt es unter anderem, um etwas über eine Schule zu erfahren, müsse man sich nach Schulschluss an das Schultor stellen und in die Gesichter der Schüler und Lehrer schauen, die mittags die Schule verlassen. Vor kurzem haben die diesjährigen Abiturientinnen und Abiturienten ihr Abiturzeugnis bekommen und sind damit auf absehbare Zeit das letzte Mal durch das Schultor gegangen. Was wünschen Sie sich, in diesen Gesichtern zu sehen? Ich sage lieber, was ich auf keinen Fall sehen möchte: Mutlosigkeit, Bedrücktheit, Ernst, Passivität. Umgekehrt: Es wäre schön, wenn sie so ähnliche Augen hätten wie unsere Fünftklässler, nämlich voll Unternehmungslust, Fröhlichkeit, Einfallsreichtum und Optimismus. Es müsste doch gelingen, Schule so zu gestalten, dass Humor, Tatendrang und Selbstvertrauen erhalten bleiben. Und was wünschen Sie sich, dass die jungen Leute aus Ihren Fächern – Sie unterrichten Deutsch und Französisch – mit ins Leben nehmen? Ich wünsche mir, dass sie begreifen, welche Macht in der Sprache liegt und wie man sie gebrauchen kann, ohne den anderen zu verletzen. Nur wer sich genau und differenziert auszudrücken versteht, wird verstanden und hat Chancen, Sachverhalte eindeutig zu beschreiben, verstanden zu werden und andere zu verstehen. Ich wünsche mir, dass die Manipulationen durch Sprache in verschiedenen Bereichen unseres Lebens durchschaut und kritisiert werden, vielleicht auch öffentlich diskutiert und korrigiert werden. Ich wünsche mir, dass diejenigen, die Französisch gelernt haben, unser Nachbarland Frankreich, unseren ehemaligen Erbfeind, besuchen, dort den Charme dieses Landes und dieser Sprache genießen und gute Botschafter Deutschlands in Frankreich sind.
Wenn sich Schüler nach dem Abitur verabschieden, haben Sie sie nicht selten schon seit der fünften Klasse gekannt. Sie haben ihre Entwicklung miterlebt und waren selber Teil von Erfahrungen in einer das Leben prägenden Schulzeit. Kann man sich unter dem Eindruck eines durchschnittlichen gymnasialen Schulbetriebs das Maß an Verantwortung für seine Schüler leisten, das es braucht, um den Lehrerberuf als erfüllend und sinnvoll zu erleben? Oder schrabbt man damit beständig an der Überforderung entlang? Ich sehe die Alternative, die Ihre Frage enthält, nicht. Denn wenn ich nicht mit allen Kräften am Fördern der mir anvertrauten Schülerinnen und Schülern arbeite, Anteil nehme und emotional beteiligt bin, halte ich den Stress im durchschnittlichen gymnasialen Schulbetrieb gerade nicht aus. Der Lärm, der dauernde Wechsel der Klassenzimmer, der Schüler, der Altersstufen, der Sprache kostet viel Kraft und nur der Gedanke, dass mir die Schüler wichtig sind und dass sie unschuldig sind an der Situation, bewahrt mich vor negativen Gefühlen und damit vor echter Überforderung. Wenn das neue Schuljahr im Herbst beginnen wird, werden 170 Fünftklässler ans Hardenberg kommen. Das sind 170 verschiedene Familiengeschichten, 170 kleine Lebensgeschichten, die die Schule bereichern werden. Eine bunte Vielfalt, die auch Herausforderung ist. Vor allem dann, wenn die eine oder andere Geschichte, die da ankommt, nicht so unproblematisch ist, wie manch ein Lehrplanstratege für einen erfolgreichen Schulbesuch vorauszusetzen scheint. Freuen Sie sich auf die Herausforderung? Ja, ich freue mich darauf. Ich bin immer ein wenig gerührt, wenn ich die Kinder wie die Frühlingsblümchen am ersten Schultag im Klassenzimmer sitzen sehe, die Jungen noch nicht so keck, wie sie bald sein werden, die Mädchen vorsichtig - und alle ganz, ganz brav. Und hinter jedem Kind steht eine Familie, für die das Kind unglaublich wichtig ist. Das darf man nie vergessen und hat sozusagen als dreizehnte Fee die Möglichkeit, manches böse Los etwas abzumildern oder manches Schicksal ein bisschen erträglicher zu machen. Und das tue ich gern und aus Überzeugung. Dabei wird es immer wieder auch Schwierigkeiten geben, aber sicher haben Sie einen Wunsch, dessen Erfüllung den Schulalltag für die Neuankömmlinge konkret erleichtern würde? Ja, den habe ich. Denn es tut mir so Leid, wenn ich sehe, wie schwer die Schultaschen inzwischen geworden sind, die die Kinder auf ihrem Rücken oft kilometerweit schleppen. Ich denke an die orthopädischen Folgen, die diese Kinder zu tragen haben werden, wenn sie so alt sind wie ich jetzt. Und ich frage mich, warum man auf dieses Problem nicht so reagiert, wie die Franzosen und die Spanier. Dort sieht man schon Dreijährige mit einem Mini-Trolley in den Kindergarten gehen und die Schulkinder haben nahezu ausnahmslos Trolleys in bunten Farben, mit lustigen oder 'coolen' Motiven. Trolleys gehören zum Alltagsbild auf den Straßen Frankreichs und Spaniens wie die Mofas oder die Autos. Nur bei uns in Deutschland verändert sich einfach nichts zum Wohl der Gesundheit unserer Kinder. Um die Lage in anderen Ländern Europas zu zeigen, habe ich in Frankreich Fotos gemacht. Ich würde mir wünschen, dass die Schulleitung bei der Informationsveranstaltung für die kommenden fünften Klassen den Eltern mitteilt, an unserer Schule hätten Schüler zumindest der Unterstufe Trolleys zu benutzen, da diese gesundheitlich bessere Perspektiven eröffneten. Und wenn das nicht der Fall ist, dann wünsche ich mir, dass die Eltern es schaffen, ihre Kinder dazu zu überreden. Liebe Frau Lauterbach, wir danken Ihnen sehr für das Gespräch und wünschen Ihnen schöne und erholsame Sommerferien! Als Anregung zu Ihrem Wunsch haben wir im Internet recherchiert und eine Bildergalerie mit Fotos von Schülertrolleys zusammengestellt. |
| Zuletzt aktualisiert am Sonntag, den 01. August 2010 um 18:26 Uhr |








Meine Sicht muss notwendig eine andere sein, meine Kriterien sind andere, weil es für mich ja um eine Einschätzung des Phänomens Schule geht und nicht um ein Diagnose-Instrument, um eine sogenannte 'gute' Schule für Außenstehende erkennbar zu machen. Für mich ist eine gute Schule relativ einfach definiert: nämlich als eine Schule, in der die Kinder sich wohl fühlen und zu deren Lehrern sie Vertrauen haben. Diese einfache Formel schließt viele Einzelmerkmale einer sogenannten 'guten' Schule ein: