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Förderverein – Hardenberg-Gymnasium Fürth
Veranstaltungen – Eröffnung der Dauerausstellung "Memorium Nürnberger Prozesse"
Hilfeschrei der Menschlichkeit nach dem Recht Gut 63 Jahre nach Beginn des Einsatzgruppen-Prozesses in Nürnberg betritt der 1920 in Siebenbürgen geborene Benjamin B. Ferencz den Schwurgerichtssaal 600 und deutet seinem Publikum durch sein bescheidenes und joviales Auftreten an, dass er heute nicht als Ankläger, sondern als leidenschaftlicher Verfechter des internationalen Rechts als Mittel einer weltweiten Friedenspolitik gekommen ist. Der 1943 an der Harvard University promovierte Jurist sammelte zunächst als Mitglied der War Crimes Branch der US-Armee Beweismaterial für die Kriegsverbrechen der Nazis und wurde im Alter von 27 Jahren zum Hauptankläger ernannt. Wenn der spätere Anwalt und publizierende Hochschullehrer an diesem Abend von seiner Traumatisierung durch das Erlebte spricht, aber gleichzeitig betont, dass Nürnberg ihm auch Hoffnung gegeben habe, so lässt dies erahnen, woher Ferencz die Kraft für sein unermüdliches Engagement für den Internationalen Strafgerichtshof nimmt. Nicht nur einmal an diesem Abend zeigt sich der Amerikaner erfreut über die Entwicklung „von Nürnberg nach Rom“, wo das Statut des Internationalen Strafgerichtshofs erarbeitet wurde. Zahlreiche Staaten, darunter die Vereinigten Staaten, Russland, China und Indien lehnen dieses doch nach wie vor ab, was den Zeitzeugen der Nürnberger Prozesse dazu veranlasst, gerade die junge Generation im Saal mit den Worten “Pick up the torch !“ zu bewegen, sich für die Sache einzusetzen. Sehr humorvoll berichtet Ferencz zu Beginn des Gesprächs davon, dass er als „mittel- und sprachloser“ zehnjähriger Immigrant in New York zunächst mehr Erfahrungen mit den Kriminellen in der Nachbarschaft als mit Anwälten gesammelt habe. Sein Glück sei die kostenfreie Schulbildung gewesen. 1943 schloss sich der junge Graduierte einem Artillerie-Batallion an, das die Invasion in der Normandie vorbereitete. Erste Berichte über die Tötung abgeschossener Piloten vernahm er noch aus der Distanz, der erste persönliche Kontakt mit Insassen des KZ Buchenwald verlangte ihm dann alles ab. “I had to blog out my mental reactions“, gesteht Ferencz nachdenklich. Dosiert und doch eindringlich berichtet er von der Selbstjustiz der Häftlinge, die das Wachpersonal malträtierten, doch unterlässt er allzu genaue Beschreibungen der brutalen Verbrechen. Ihm liegt eher deren Aufarbeitung am Herzen. So erinnert er an die international weniger beachteten Dachau Trials bis August 1948, bei denen die US-Amerikaner in Eigenregie 1416 Nazis verurteilten und dann nach Landsberg am Lech überführten. Der vom Moderator Dr. Rainer Huhle vom Nürnberger Menschenrechtszentrum e.V. geäusserten Vermutung, Robert H. Jackson, Hauptanklagevertreter bei den Nürnberger Prozessen, habe keine jüdischen Ankläger einsetzen wollen, um jeden Verdacht eines Racheaktes im Vorfeld auszuschließen, widerspricht der Jude Ferencz energisch und beteuert : „There was no feeling of vengeance on my part“. Der Jurist, dessen vier Kinder in Nürnberg geboren wurden, erklärt weiter, dass er das Kreuzverhör mit Otto Ohlendorf, SS-Gruppenführer und Befehlshaber der Einsatzgruppe D, nicht selbst durchgeführt habe, um jeden Anschein einer jüdischen Vergeltungsaktion zu vermeiden. Nur einmal habe er mit Ohlendorff gesprochen, der hemmungslos übertreibend angab, etwa 90 000 Juden getötet zu haben. Dieser habe sich mit den Worten „Sie werden sehen, ich hatte Recht“ von Ferencz verabschiedet. Auf seine schmerzhafteste Enttäuschung im Nachkriegsdeutschland angesprochen, erinnert sich Ferencz an die fehlende Reue seitens der Deutschen: “There was a lack of remorse, a lack of regret“. In Bezug auf sein Lebenswerk nach den Prozessen unterstreicht Benjamin Ferencz, dass er überzeugt davon sei, dass Strafjustiz ein Mittel zur Friedenswahrung ist. Ihm selbst ging es im Krieg darum, diesen so schnell wie möglich zu beenden, die militärisch Verantwortlichen zu fassen und ihnen den Prozess zu machen. Von den 3000 Mitgliedern der Einsatzgruppen, die die Aufgabe hatten, die in den eroberten Gebieten lebenden Juden zu vernichten, habe man 6 Generälen und 25 hochrangigen Mitgliedern den Prozess gemacht. Warum nur 25 von 3000 Massenmördern ? Diese Frage stellt sich Ferencz und verweist mit dem Hinweis auf die 22 Anklagebänke ironisch auf pragmatische Zwänge. Die Beweislast sei für die Angeklagten erdrückend gewesen. So war man beispielsweise im Besitz der Verteilerliste des Protokolls der Wannsee-Konferenz vom 20. Januar 1942 mit 99 Namen, deren Träger vom Plan der systematischen Vernichtung der Juden erfahren und dies zum Teil mit ihrer Unterschrift bestätigt haben. Nach den Prozessen widmete sich der ehemalige Chefankläger den Opfern der Nazis. Dankbar sei er Adenauer für das Bundesentschädigungsgesetz 1952 gewesen. Nicht müde wird Ferencz zu betonen, dass die Durchsetzbarkeit von internationalem Recht, die im Kalten Krieg nicht existent war und heute noch in den Kinderschuhen steckt, die beste Prävention gegen Krieg sei. Anschaulich spricht er von einem dreibeinigen Stuhl, der nur dann stabil stehe, wenn das Recht, das Gericht und der Vollzug der Gesetze gewährleistet sei. „Nuremberg was a foundation stone“, die Weiterentwicklung des internationalen Strafrechts ist aber in seinen Augen dringend angezeigt und der rüstige Amerikaner wünscht sich hierbei eine führende Rolle Deutschlands. Die vielen jungen Teilnehmer des Zeitzeugengesprächs sind offenkundig begeistert von der einnehmenden Art von Ferencz, der sich über kritische und weiterführende Fragen freut. Ob nicht der europäische Einigungsprozess Vorbild für die Integration innerhalb der UN sein könne oder ob man nicht unter bestimmten Umständen, etwa um weiteres Töten zu verhindern, das Recht brechen dürfe, wollen gegen Ende der Veranstaltung die jungen Menschen vom Benjamin B. Ferencz wissen. Dieser überzeugt durch seinen unerschütterlichen Glauben an die Friedenskraft des internationalen Rechts, den er sich bewahrt hat und den er hofft, der jungen Generation vermittelt zu haben. Manfred Winkler
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| Zuletzt aktualisiert am Montag, den 27. Dezember 2010 um 23:25 Uhr |







