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Förderverein – Hardenberg-Gymnasium Fürth

Veranstaltungen – Autorenlesung von Sally Perel

„Tagsüber war ich Hitlerjunge, aber nachts war ich Jude “

Sally Perel berichtet am Hardenberg-Gymnasium Fürth über seine unvorstellbare Lebensgeschichte

von Studienrat Manfred Winkler

 

„Solange mich meine Schuhe tragen, werde ich diese Reisen machen“, sagte Perel vor einigen Jahren, denn „ich bin einer der letzten Zeitzeugen – und Zeitzeugen sind die besten Geschichtslehrer.“

lesung sally perel 002_400Seine Lebenserfahrungen klingen unvorstellbar: Der jüdische Junge Sally rettete im Zentrum des Feindes sein eigenes Leben. Als Zehnjähriger floh der 1925 im niedersächsischen Peine geborene jüdische Junge zusammen mit seiner Familie nach Lodz in Polen. Die trügerische Sicherheit hielt nur bis zum Überfall der Deutschen auf Polen im Jahre 1939. Die Eltern mussten mit ansehen , wie Sally und sein älterer Bruder erneut nach Osten fliehen mussten, um sich in die vermeintlich sichere Obhut der Roten Armee zu retten. Doch die konnte sich zunächst nicht gegen die Nazitruppen behaupten und so wurde Sally Perel schließlich 1941 gefangen genommen und in eine alles entscheidende Lebenssituation gedrängt. Vor den deutschen Wehrmachtssoldaten rettete ein Satz sein Leben : „ Ich bin kein Jude, ich bin Volksdeutscher“. Damit begann eine unfassbare Überlebensgeschichte. Sally Perel überlebte als Hitlerjunge getarnt den Holocaust. 

 

In der Mensa des Hardenberg-Gymnasiums fesselte Sally Perel mit seinen Erinnerungen die zahlreich erschienenen Schüler der 10. bis 13. Jahrgangsstufe.  Deutschland bezeichnet er nach wie vor als sein „emotionales Mutterland“. Dessen Jugend liegt ihm am Herzen. Diese gLesung Sally Perel  ewinnt er von Anfang an durch sein offenes Wesen und seine leidenschaftlichen Worte und beschwört seine jungen Zuhörer, entschieden gegen Neonazismus und Fremdenhass einzutreten. Sally erreicht die Jugendlichen, weil er ihnen nie das Gefühl gibt, sie seien mitverantwortlich oder gar mitschuldig an dem, was die Nazis verbrochen haben. Gebannt hängt man an Perels Lippen, weil er anschaulich erzählt und brisante Details nicht einfach unter den Teppich kehrt. So berichtet er beispielsweise von der versuchten Vergewaltigung durch einen Nazi-Offizier, der ihm ständig nachstellte und unter der Dusche entdeckte, dass der Hitlerjunge „Jupp“ beschnitten ist. Der deutsche Soldat versicherte Perel, dass es „auch ein anderes Deutschland“ gebe und behielt das Geheimnis für sich bis er im Krieg fällt.

 

Sally Perel hat sich erst im fortgeschrittenem Alter nach einer Herzoperation entschlossen, über seine unfassbaren Erlebnisse zu erzählen. Auch am Hardenberg-Gymnasium tut er dies in schonungslos ehrlicher Weise, wenn er nämlich davon spricht, dass er „sich den Endsieg der Deutschen gewünscht habe“ und das, obwohl er Filmplakat, Hitlerjunge Salomongleichzeitig wusste, dass Tausende seiner jüdischen Glaubensbrüder und -schwestern in den Konzentrationslagern getötet werden. Die eigene Zerrissenheit, die Perel Tag für Tag erleben musste wird greifbar. Sally Perel spricht eine unmissverständliche Sprache, wenn er betont, dass „Holocaust-Leugner entweder dumm seien, weil sie die Wahrheit nicht kennen oder als Verbrecher gelten müssten.“

Die konzentrierte Atmosphäre während des beeindruckenden 90-minütigen Vortrags bleibt erhalten als die interessierten Schüler ihre Fragen an Sally Perel richten. Darunter sind auch solche willkommen, die kritisch danach fragen, ob Sally Perel seine Überlebensstrategie nicht als Verrat an seinem Glauben betrachte und wie die Juden seine Lebensgeschichte sehen. Sally Perel weicht den Jugendlichen nicht aus, vielmehr betont er, dass er als junger Mann einfach nur überleben wollte, wie es ihm seine Mutter geheißen hat. Anders als seine Schwester hat er überlebt und seinen festen jüdischen Glauben behalten. Es verwundert nicht, dass so viele „Hardenbergler“ im Anschluss Sally Perels Buch und die Film-DVD kaufen, denn sie haben gerade eine „Geschichtsstunde“ der besonderen Art  miterlebt.

Plakat zur Verfilmung von 1989 (Wikipedia)

 

Zuletzt aktualisiert am Dienstag, den 15. Dezember 2009 um 00:11 Uhr